Bericht_Veranstaltung_16/03-18_EUROPA_Und_die_Flüchtlingskrise

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist die EU in der Lage diese Herausforderung anzunehmen

und solidarisch zu meistern?

Laatzen. EUROPA - Und die Flüchtlingskrise waren Inhalt einer Podiumsdiskussion von FORUM 2014 e.V. zu der am Freitag vergangener Woche Michael Buckup, Leiter des Europäischen Informations-Zentrum Niedersachsens, referierte.

 

Nach Begrüßung der Gäste ging Vorsitzender Reinhard Gritzka in seiner Ein- gangsrede kurz auf die geschichtliche Entwicklung Europas nach Beendigung des 2. Weltkriegs ein und machte deutlich, welchen Weg der Kontinent Europa bis heute genommen hat. Er unterstrich dabei, wie wichtig Europa für die Menschen gerade in Punkto Sicherung von Frieden und Freiheit, sowie politischer und wirtschaftlicher Stabilität ist. Nach seinen Worten ist die EU unverzichtbar und ein Gewinn für alle hier lebenden Bürger. Hinsichtlich der aktuellen Flüchtlingssituation betonte er, dass weder indoktriniertes Verhalten noch nationale Alleingänge einzelner EU-Mitgliedstaaten die Lösung für das Flüchtlingsproblem sein können.

Beides sei aus seiner Sicht einer auf Solidarität verpflichteten Gemeinschaft keineswegs dienlich. Auch dass es ausgerechnet mit Hilfe der Türkei zu einem Durchbruch bei der Lösung des Flüchtlingsproblems kommen soll, sieht Gritzka kritisch und zugleich moralisch für äußerst bedenklich.

Bedeutend hingegen sei, ob es gelingen wird, trotz unterschiedlicher Positionen, die EU wieder auf einen einheitlichen Kurs zu bringen - und ob alle 28 EU-Mitgliedsstaaten die Herausforderung an- nehmen, um sie solidarisch zu meistern?

Michael Buckup ging in seinem Referat inhaltlich zunächst auf die Ursachen und die Entstehung der Flüchtlings-Situation ein. Laut aktueller Zahlen sind weltweit insgesamt 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Ursächlich dafür verantwortlich sind politisch und wirtschaftlich instabile Ver- hältnisse großer Teile von Central- und West-Afrikas. Von dort aus sind gewaltige Flüchtlingsströme quer durch die Wüste bis nach Nord-Afrika und anschließend über das Mittelmeer in Richtung Europa unterwegs. Unverkennbar sei zudem die Tatsache, dass künftig verstärkt immer mehr Menschen auch aus klimatischen Gründen ihre Heimat ver-

lassen werden und als sogenannte Klima-Flüchtlinge zu uns nach Europa kommen werden.

Der über Jahre andauernde Bürgerkrieg in Syrien habe zudem dazu geführt, dass derzeit verstärkt zusätzlich auch Flüchtlinge aus dem nahöstlichen Raum nach Europa kommen und sich dadurch die Lage extrem verschärft hat.

Insgesamt sind seit dem Jahr 2008 die Zahlen der Asyl- suchenden extrem angestiegen. Durch den massenhaften Zu- strom unzähliger Bürgerkriegs-Flüchtlinge aus Syrien hat die Zahl der Asylsuchenden, die nach Europa gekommen sind, gegen Ende 2015 vorläufig ihren Höhepunkt erreicht.

Aus Sicht von Buckup kann Europa diese Krise jedoch nur durch politische Einigkeit bewältigen. Eine Bevormundung durch die Bundesrepublik Deutschland bei der Lösung des Flüchtlings-problems stößt laut Buckup innerhalb der EU auf massive Ablehnung. Genau so wenig könne er aber auch nationale Alleingänge einiger EU-Mitgliedstaaten sowie die Festlegung von Obergrenzen für gut heißen.

Ebenso wie Gritzka sieht auch Buckup das Mitwirken der Türkei zur Lösung der Flüchtlingskrise in Europa als äußerst fragwürdig.

Vorrang muss generell die Befriedung der vom Krieg/Bürgerkrieg betroffenen Länder haben, so Buckup. Im Fall von Syrien ist das jedoch nicht so einfach, weil die Interessen der daran Beteiligten einfach zu vielschichtig gelagert sind.

Darüber hinaus muss sich seiner Ansicht nach auch die Gesamtsituation in den Flüchtlingslagern von Jordanien, dem Libanon sowie der Türkei entscheidend verbessern. Die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Einrichtung von Schulen sind unverzichtbar. Ebenso sollte/muss der momentane Unter- halts-Satz, den die UNHCR als Träger für Familien mit Kindern bereitstellt, von durchschnittlich 13,50 Dollar im Monat auf mindestens 30,- Dollar erhöht werden. Erst wenn dieses in Summe erreicht ist, wird sich die Situation allmählich entspannen und das Leben für Flüchtlinge in Grenzdurchgangslagern - fern ihrer Heimat - halbwegs erträglich machen. In Lagern verbesserte Lebensgrundlagen würden künftig viele Flüchtlinge davon abhalten, doch den beschwerlichen Weg nach Europa anzutreten.

Nicht minder spannend war die anschließende Diskussion unter bewährter, professioneller Leitung von Joachim Döring. Trotz bedauerlich weniger Zuhörer gab es eine erfreuliche Vielzahl von Fragen zu den unterschiedlichsten Aspekten des vorangegangenen Vortrages. Buckup blieb darauf keine Antwort schuldig. Dass mitunter von Fragestellern und Veranstaltungsteilnehmern vom Thema abgeschweift wurde, tat dem positiven Gesamteindruck des Abends jedoch keinen Abbruch, zumal Döring stets den Überblick behielt.

Die große Bedeutung des von FORUM 2014 gewählten Themas „Europa - Und die Flüchtlingskrise“ sowie das anerkennenswert hohe Niveau des Vortrages von Michael Buckup hätten eine deutlich höhere Besucherfrequenz verdient. Stellt sich wieder einmal die Frage nach der allgemeinen Politikver-drossenheit der Gesellschaft allgemein und der Laatzener Bürger im Besonderen.

Verständlich ist da nur, dass tags zuvor die Osterferien begonnen haben und demzufolge die Ersten bereits an dem Termin schon auf dem Weg in den Osterurlaub waren. Unstrittig bleibt trotzdem, dass es für alle politisch Interessierten, die an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen haben, ein unwieder-bringlicher Verlust bleiben wird.

 

Hinweis:

Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die darüber hinaus zusätzliche Informationen zu den aus Afrika und dem Nahen Osten nach Europa strömenden Flüchtlingen wünschen, können dieses mit Hilfe des nachstehenden Links tun. Im Einzelnen wird hier veranschaulicht aus welchen Herkunftsländern die Flüchtlinge und Asylsuchenden stammen, bzw. welche Routen die Flüchtlingsströme auf dem Weg nach Europa nehmen und in welchen europäischen Ländern ihr Weg letztlich endet.

 

http://www.lucify.com/the-flow-towards-europe

 

FORUM 2014 e.V.

Der Vorstand

 

30880 Laatzen, 21. März 2016

 

 

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